Liebe Gemeinde,

stellen Sie sich vor, Sie gehen gerade einer geliebten Beschäftigung nach. Sie sind dabei ganz in Ihrem Element und denken an nichts anderes. Doch auf einmal kommt es zu einer Störung. Sie werden in dem, was Sie gerade so hingebungsvoll tun, auf unsanfte Weise unterbrochen und zurück in die Wirklichkeit versetzt.

So stelle ich mir die Begegnung der Drei Weisen aus dem Morgenland mit dem König Herodes vor. Das Matthäusevangelium berichtet, dass sie in ihrer Heimat einen Stern aufgehen sahen und ihm interessiert gefolgt waren. Doch in Jerusalem wurden sie aufgehalten. König Herodes stellte sich ihnen in den Weg. Sie wurden zum Verhör einbestellt und mussten ihm Rede und Antwort stehen.

Nicht nur, dass damit eine spannende Forschungsreise kurz vor dem Ziel abrupt unterbrochen wird. Es muss wohl insgesamt eine verstörende Begegnung gewesen sein mit einem Menschen, der an der Macht hängt und dem jedes Mittel recht ist, um daran festzuhalten. Vielleicht spürten die Weisen etwas von der Angst des Herodes, als sie ihm von ihrem Vorhaben berichteten. Eine Angst, die Menschen dazu bringen kann, über Leichen zu gehen. Nach dem Besuch an der Krippe werden sie schließlich durch einen Traum davor bewahrt, dieser Macht ein zweites Mal ausgeliefert zu werden.

Deshalb sind sie wohl auch so „hocherfreut“, als sie von dem Stern doch noch an ihr Ziel geführt werden. Nach der „Kälte der Macht“ erwartet sie im Stall von Bethlehem die Wärme, die von einem schutzbedürftigen Kind und seinen mittellosen Eltern ausgeht. Dort entdecken sie das unverhüllte Antlitz Gottes bei den Menschen. Gott offenbart sich nicht an der Seite der Mächtigen, sondern im Schoß einer Mutter, die sich dem Vorwurf erwehren muss, ein uneheliches Kind zur Welt gebracht zu haben.

Heute könnte das heißen, dass wir uns in den Tagen des Advents und der kommenden Weihnacht nicht zu sehr beeindrucken lassen vom perfekt inszenierten Lichterglanz. Denn wir wissen auch aus anderen Erzählungen der Bibel, dass Gott im Laufe seiner Geschichte mit den Menschen immer wieder das Kleine, Schwache und Unvollkommene erwählt.

Ihr Pfarrer Markus Köber


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